Montafon
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Das Montafon ist ein 39 km langes Tal in Vorarlberg (Österreich), das bei Bludenz abzweigt und von der Ill durchflossen wird. Das Tal wird im Norden von der Verwallgruppe und im Süden vom Rätikon und der Silvretta begrenzt. Die höchste Erhebung in der Umgebung ist der 3312 m hohe Piz Buin in der Silvretta-Gruppe.
Gemeinden

Die Gemeinden im Montafon sind (flussaufwärts):
Geschichte
Wie archäologische und botanische Untersuchungen belegen, siedelte der Mensch bereits vor 5.000 Jahren im Montafon. So finden sich Reste einer etwa 3.500 Jahre alten Siedlungsstätte im Friagawald, die Teil einer mächtigen bronzezeitlichen Burganlage war. Wie vermutlich in der Bronze- und Eisenzeit war das Montafon auch durch das ganze Mittelalter hindurch ein Zentrum des Bergbaues: Eisen, Kupfer und Silber wurden hier gewonnen.
Die Habsburger regierten ab dem 15. Jahrhundert Vorarlberg und damit auch die Orte im Montafon wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Von 1805 bis 1814 gehörte das Montafon zu Bayern, dann wieder zu Österreich. Das Montafon war 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.
Wappen und Siegel
Das Wappen und Siegel der Montafoner zeigt zwei schwarze, gekreuzte Schlüssel.
- Der Schlüssel im Wappenschild ist ein Zeichen der Aufgeschlossenheit.
- Er ist auch Symbol für Petrus. Die Heiligenverehrung hat ihn dadurch in die Wappen gebracht.
Das Symbol der gekreuzten Schlüssel ist dem päpstlichen Wappen entnommen, wird seit dem frühen 15. Jahrhundert eingesetzt und beruht auf einer kuriosen Geschichte:
- Während des Appenzellerkriegs (1405–1408) organisierten sich die Montafoner zu einem „Land“ und verwendeten als Zeichen im Wappen zwei vom Hof St. Peter (bei Bludenz) abgeleitete gekreuzte Schlüssel.
- Dieses Wappen wurde später eigenmächtig zum päpstlichen Wappen umgestaltet, indem dem Wappenschild noch eine dreifache Papstkrone hinzugefügt wurde.
Begründet wurde dies damit, dass Papst Johannes XXIII auf dem Weg zum Konzil von Konstanz in einer Sänfte vom Klostertal über den Kristberg ins Montafon getragen wurde, um der Pest zu entgehen und ihnen dann das Recht verliehen habe. - 1700 gestattete Papst Innozenz XII den Montafonern offiziell die Führung dieses Wappens [1] [2].
Verkehr
Die Silvretta-Hochalpenstraße L188 verbindet das Montafon mit dem Paznaun im Bundesland Tirol. Die Montafonerbahn führt von Bludenz nach Schruns.
Montafoner Nutztierrassen
Kultur
Der Montafoner Tisch
Der Montafoner Tisch hat eine mit Einlegearbeiten verzierte, quadratische oder üblich achteckige Tischplatte, mit einer mittig eingelegten Schiefertafel, auf schrägen Füßen mit einer Schublade. Die Schiefertafel verhinderte das Einbrennen von heißen Pfannen oder Töpfen und diente als Schreibtafel. Bodenbrettchen, welche die Füße knapp oberhalb des Bodens verbinden, dienen zur bequemeren Positionierung der Füße und werden „Faulenzer“ oder „Vergeltsgott“ genannt.
Dazu gehört üblicherweise eine Eckbank, zwei und mehr Stühle, und der so genannte Herrgottswinkel, mit Kreuz und zwei Votivbildern.
Die Montafoner Tracht
Mädchentracht mit Krönlein (auch „Krönele“ oder „Schäppele“)
Typische Elemente der Montafoner Tracht sind:
- das Kleid, die „Juppe“
- zweierlei Jacken („Glögglitschopa“ und „Schlutta“),
- ein reich besticktes Brusttuch
- spezielle Kopfbedeckungen
- das „Mäßli“, wohl die älteste Kopfbedeckung der Frau aus Wollfilz, schwarz gefärbt (benannt nach dem topfartigen Aussehen eines Kornmaßes)
- die „Pelzkappe“, ovalrund, oben mit einer Öffnung, aus schwarzem Fischotterpelz angefertigt
- die aus dem Französischen importierte „Schnelle“ für kalte Wintermonate
- der später aufgekommene „Sanderhut“. Er ist nach dem Erzeuger, Hutmacher Sander in Schruns, benannt worden
- das „Schäppele“ – weiblicher Kopfschmuck, besonders der Jungfrau, ist aus feinen silbernen und goldenen, gekräuselten Metallfäden und kleinen Metallblumen und Glaskügelchen kunstvoll zu einer ca. 8 cm im Durchmesser halbrunden Krone zusammengesetzt.
Die Kombination der hier angeführten Trachtenteile unterliegt strenger Traditionen, die durchaus unterschiedlich aufgefasst werden. Auffallend ist der Formen- und Materialreichtum, dem die sparsame Wiederverwendung gebrauchter Materialien gegenüber steht.
Eine Besonderheit der Montafoner Tracht stellt die Mädchentracht dar – nur unverheiratete Mädchen dürfen die Tracht mit langen, weißen Ärmeln tragen. Ebenso durfte das Krönlein (auch „Krönele“ oder „Schäppele“) nur zu kirchlichen Festen getragen werden und war ein Zeichen des unverheirateten Standes.
Das Montafoner Braunvieh
Dieses Braunvieh ist ein Nachkomme des Torfrindes. Es entstand aus verschiedenen graubraunen Schlägen in der Schweiz, Vorarlberg und im Allgäu. Das bekannte Montafoner Braunvieh führt auch Blut von Eringern. Zur Verbesserung der Milchleistung wurde das einheimische Braunvieh etwa ab 1960 über Einkreuzung mit Brown-Swiss verdrängt. Dies führte immer mehr zu einer Verdrängung des ursprünglichen Typs mit all seinen Vorzügen – heute hat die österr. Population durchschnittlich einen Brown-Swiss-Anteil von über 75 %.
Das Original Braunvieh ist einheitlich braun, mittelschwer, gut bemuskelt mit hellem Aalstrich und dunkler Zunge. Im Vergleich zum Brown-Swiss ist es kleiner und leichter– daher gerade für die Dreistufenwirtschaft in Bergbauernregionen bestens geeignet.
Das Montafoner Haus
Montafonerhaus bei Vandans
Montafonerhaus vom Typ I in Partenen (Gaschurn)
Aus dem Rätoromanischen- und dem Walserhaus entwickelte sich eine, dem Tal eigene architektonische Form der Häuser. Es entstand eine neue Form in Stein-Holz Mischbauweise. Als eigenständige Bauform ist es unter dem Namen "Montafonerhaus" weit bekannt. In ganz Österreich und dem gesamten Alpenraum gibt es kein so kleines Tal, welches einen eigenen Haustyp besitzt.
Das Montafonerhaus bildet den Hauptbestandteil der Montafoner Kulturlandschaft und ist die ganz besondere Eigenheit des Tales.
Der Montafoner Sauerkäse
→ Hauptartikel: Montafoner Sauerkäse
Der Montafoner Sauerkäse oder Muntafunr Sura Kees (Dialekt: Sura Kees oder Sura Käs steht für Saurer Käse) ist ein Sauermilchkäse.
Wirtschaft
Tourismus
Ein wichtiger Erwerbszweig ist der Tourismus (siehe auch Skigebiete in Österreich). Das Montafon ist durch insgesamt 62 Bergbahnen und die Silvretta Hochalpenstraße gut erschlossen und ist Urlaubsziel von Touristen im Sommer wie im Winter.
Einen wichtigen Beitrag zur Erschließung trug auch der Bau der Montafonerbahn im Jahr 1905 bei.
Energieerzeugung
(Hauptartikel Vorarlberger Illwerke)
Die Vorarlberger Illwerke AG betreibt im Montafon 10 Wasserkraftwerke, die Spitzenlast-Energie für den nationalen und internationalen Strommarkt erzeugen.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Stand Montafon
- ↑ Die Sage von den Petrusschlüsseln
- ↑ Onlineauftritt ÖNGENE Das Montafoner Steinschaf
Koordinaten: 47.042054° N, 9.951553° O